Significante

– Philosophische Betrachtungen und Denkanstöße –

Demokrit

Unter den vorsokratischen Philosophen war Demokrit sicherlich einer der herausragendsten Vertreter jener Epoche. Geboren wurde er um 470 v. Chr. in Abdera, einer ionischen Kolonie in Thrakien, und starb ebenfalls dort um 370 v. Chr. Es wird davon berichtet, dass Demokrit 100 Jahre alt geworden ist – ob Realität oder Legende, kann nicht geklärt werden. Eine wichtige Quelle hierfür bilden Capelle, Apollodor sowie Thrasyllos. Während Apollodor die Geburt Demokrits mit 470 v. Chr. ansetzt, legt Thrasyllos in seinen Aufzeichnungen das Jahr 460 v. Chr. fest, wobei sich Capelle durch die Erwähnung genauerer zeitgeschichtlicher Anhaltspunkte der Version von Apollodor anschließt. Als Sohn wohlhabender Eltern beschreibt sich Demokrit selbst an einigen Stellen in den überlieferten Fragmenten als einen der gebildetsten Menschen seiner Zeit, was er besonders seinen Reisen in der damals bekannten Welt zugeschrieben hat. Eben diese Reisen sind nach Capelle wohl die Marksteine, an denen man am ehesten biographische Stationen festmachen kann. Diese Reisen führten Demokrit u. a. nach Ägypten, Babylon, Persien, die er aus wissenschaftlichem, insbesondere naturwissenschaftlichem und auch völkerkundlichem Interesse unternommen hat. Überliefert sind auch die besonderen mathematischen Fähigkeiten von Demokrit, die aus verschiedenen Kontakten zu Pythagoreern her stammten. Innerhalb der Philosophiegeschichte nimmt er als Vorsokratiker eine bedeutende Stellung ein. So gilt er als der letzte große Naturphilosoph, der besonders durch seine Atomlehre, die er im Anschluss an seinen Lehrer Leukipp verfasst hat, ein bedeutsames Weltbild entwickelt hat, das noch über die Antike hinaus rezipiert wurde. Das Werk von Demokrit ist nur in Fragmenten überliefert. Demokrit hat sich mit vielfältigen Themen seiner Zeit beschäftigt und neben der Atomlehre auch mit pädagogischen und militärischen Fragen befasst. Hierbei ist auch sein Einfluss auf Aristoteles nicht zu unterschätzen. In der Ausarbeitung seiner Atomtheorie ist Demokrit weitaus konsequenter und umfassender als Leukipp, da er mit seiner Lehre zwischen zwei entgegengesetzten Auffassung, dem Eleatismus einerseits und dem von Anaxagoras und Empedokles entwickelten Qualitätenpluralismus andererseits, vermittelt bzw. seine Atomlehre zwischen diesen beiden Ansätzen positioniert. Trotz der Tatsache, dass das Werk von Demokrit nur als Fragment erhalten ist, geht die Forschung davon aus, dass der Begriff des Atoms von Demokrit geprägt wurde und zwar in der gleichen Form, wie er auch heute verwendet wird als kleinstes Elementarteilchen.

Demokrit beschreibt die Welt und alle hier vorfindbaren Dinge bzw. Qualitäten über Atome. Also alles, was wir wahrnehmen können setzt sich aus Atomen zusammen und alle Dinge können somit im Hinblick auf ihre Form, ihre Lage und ihre Größe auf solche inkompressiblen, undurchdringlichen und wegen ihrer Größe unsichtbaren, unveränderlichen und unendlich vielen Teilchen zurückgeführt werden. All diese Teile bewegen sich im leeren Raum. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Erklärung von Demokrit über die unterschiedlichen Gewichte, die die einzelnen Körper, Organismen etc. haben. Diese Tatsache ist nach Demokrit mit dem größeren oder kleineren Anteil von Atomen zu erklären, verbunden mit dem größeren oder kleineren Anteil des leeren Raumes. So sind für ihn jegliche Materie und jegliche Bewegung unvergänglich. Bezogen auf das Entstehen und Vergehen von Materie heißt dies, dass letztendlich nichts vergeht, sondern dass es immer nur ein Umordnen der Atome gibt. Dieses Umordnen ist, so Demokrit, ein mechanischer Prozess, der durch die Atome selbst und nicht durch eine von außen wirkende Kraft, sprich einer göttlichen Kraft, bedingt ist. So geht Demokrit in einer recht rationalen und pragmatischen Sicht davon aus, dass selbst die Seele des Menschen aus Atomen besteht, wobei die Atome der Seele bei den unterschiedlichen Organen jeweils anders verteilt sind. Durch diese unterschiedliche Verteilung entstehen letztendlich auch die verschiedenen Seelenzustände, wie Gefühle und anderes mehr.

Die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen und der Erklärung der Welt über die Atome ist nur ein Teil der wissenschaftlichen bzw. philosophischen Arbeit Demokrits. Auch die Ethik nimmt bei Demokrit einen hohen Stellenwert ein, wobei diese Ethik eher populärwissenschaftlich ist und weder eine metaphysische noch eine religiöse Ausrichtung hat. Der Hauptgedanke ist, dass nur der wirklich gute, d. h. sittlich gute, Mensch glücklich ist. Im Hinblick auf die Wirkungsgeschichte von Demokrit sind verschiedene Spuren auszumachen. Neben Epikur, Lukrez und Platon sind insbesondere die Philosophen, die aus seiner Schule in Abdera hervorgegangen sind, zu nennen. Als sogenannte Demokriteer gelten unter anderem Metrodor von Chios, Hekataios von Abdera und Nausiphanes. Aber auch der berühmte Stoiker Poseidonios wurde nachhaltig von Demokrit und seinem Werk beeinflusst.