Significante

– Philosophische Betrachtungen und Denkanstöße –

Philosophische Grund- und Fachbegriffe

Hier werden fortlaufend Begriffe beschrieben und erklärt, die in philosophischen Themen oft zur Anwendung kommen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Anthropologie▾

Die Philosophische Anthropologie als Teilgebiet der Philosophie untersucht das Wesen des Menschen, indem sie seine Natur, seinen Körper, Geist, seine Kultur und seine Existenz in der Welt reflektiert, oft im Dialog mit empirischen Erkenntnissen anderer Wissenschaften. Während die Anthropologie (Menschenkunde) als breitere Wissenschaft den Menschen in seiner Vielfalt (biologisch, sozial, kulturell) erforscht, konzentriert sich die philosophische Strömung auf die grundlegenden Fragen nach dem, was den Menschen ausmacht, seine Einzigartigkeit, Freiheit, Vernunft und seinen Sinn.

Conatus▾

Vom lat. conari (versuchen) ≙ Anstrengung, Neigung. Es wurde zuerst von Hobbes verwendet, der das von Galileo Galilei entdeckte und von Descartes formulierte Prinzip der Trägheit auf seine politische Anthropologie anwandte, es mit dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen im Naturzustand identifizierte und als „fortwährendes und rastloses Verlangen nach immer neuer Macht“ (Leviathan) definierte. Vor allem aber war es Spinoza, der den Conatus zu einem Schlüsselbegriff machte: Definiert als das Bemühen, durch das „jedes Ding gemäß der ihm eigenen Natur danach strebt, in seinem Sein zu verharren“ (Ethik), erlaubt der Conatus Spinoza, den Menschen durch den Trieb zu charakterisieren, der zum Willen und zur Quelle der Freude wird, wenn er durch eine angemessene Kenntnis dessen, was uns bestimmt, unsere Lebenskraft vergrößert. Mehr zum Thema: ➔ Spinoza und sein Verhältnis zur Ethik.

Determinismus▾

Der Determinismus ist die philosophische und wissenschaftliche Lehre, dass alle Ereignisse, einschließlich menschlicher Handlungen, durch vorherige Bedingungen und Naturgesetze eindeutig festgelegt sind. Nichts geschieht zufällig; jeder Zustand ist die notwendige Folge von Ursachen. Dies stellt die Existenz eines freien Willens in Frage.
Mehr zum Thema Determinismus ➔ HIER.

Dialektik▾

Dialektik ist ein schon in der Antike nicht einheitlich gebrauchter Ausdruck. Bis in die Neuzeit jedoch behält er im Wesentlichen die Bedeutung einer auf einem Gespräch fundierten Disziplin oder Methode bei, die zur Wahrheitsfindung dient. Seit dem 18. Jahrhundert hat der Ausdruck viele andere Verwendungen erfahren.

Empirismus▾

Empirismus ist die philosophische Lehre, dass alle Erkenntnis und alles Wissen aus der Sinneserfahrung stammt und somit durch Beobachtung, Experiment und das Erleben gewonnen wird, im Gegensatz zum Rationalismus, der angeborene Ideen postuliert. Wichtige Vertreter wie John Locke, David Hume und George Berkeley sahen den menschlichen Geist bei der Geburt als "Tabula Rasa" (leere Tafel), die erst durch Eindrücke gefüllt wird. Er bildet das Fundament für die wissenschaftliche Methode und moderne Wissenschaften wie Psychologie und Naturwissenschaften.

Entfremdung▾

Entfremdung (Alienation) beschreibt einen Zustand, in dem eine ursprünglich vertraute Beziehung zu sich selbst, anderen, der Arbeit, der Natur oder der Gesellschaft gestört oder zerstört ist, was zu Gefühlen des Fremdseins und der Machtlosigkeit führt; zentrale Theorien, besonders bei Marx, sehen die Ursache in modernen Gesellschaftsstrukturen wie Kapitalismus, aber auch psychologische und familiäre Kontexte (z.B. Eltern-Kind-Entfremdung) spielen eine Rolle, wobei es sich um eine „Beziehung der Beziehungslosigkeit“ handeln kann.

Epistemologie▾

Epistemologie ist die Lehre von der Erkenntnis, ein zentrales Gebiet der Philosophie, das sich mit den Voraussetzungen, Grenzen und Gültigkeit von Wissen beschäftigt, und fragt, was Wissen ist, wie wir es erlangen und wie wir es rechtfertigen können. Sie wird oft synonym mit der Erkenntnistheorie und der Wissenschaftstheorie (im weiteren Sinne) verwendet, untersucht aber auch spezifisch die Bedingungen, unter denen bestimmte Gegenstände zu wissenschaftlichen Objekten werden, wie in der französischen Tradition (Épistémologie).

Ethik▾

Ethik ist ein Teilgebiet der praktischen Philosophie, das sich systematisch mit der Frage nach dem richtigen Handeln, Werten, Normen und Moral beschäftigt, um zu verstehen, was als gut und schlecht gilt und wie Menschen leben sollten. Sie reflektiert moralische Grundsätze und deren Begründung, wird oft angewandt in Bereichen wie Medizin oder Politik, aber auch im alltäglichen Leben, um Entscheidungen zu leiten.

Existentialismus▾

Der Existentialismus ist eine philosophische Strömung, die betont, dass die Existenz der Essenz vorausgeht, d.h., der Mensch wird ohne vorgegebenen Sinn geboren und muss diesen durch freie Entscheidungen und Handlungen selbst schaffen. Zentrale Themen sind individuelle Freiheit, Verantwortung, die Absurdität des Lebens ohne inhärenten Sinn und Angst, aber auch die Chance der Selbstbestimmung. Wichtige Vertreter sind Sartre, Simone de Beauvoir, Camus (atheistischer Zweig) und Kierkegaard (christlicher Zweig).

Hermeneutik▾

Die Hermeneutik ist die Theorie der Interpretation oder Auslegung von Texten und des Verstehens. Beim Verstehen verwendet der Mensch Symbole. Er ist in eine Welt von Zeichen und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Nicht nur in Texten, sondern in allen menschlichen Schöpfungen ist Sinn. Diesen zu erschließen, ist eine hermeneutische Aufgabe.

Idealismus▾

Idealismus ist eine philosophische Strömung, die Geist, Ideen und Bewusstsein als primär für die Realität ansieht, im Gegensatz zum Materialismus, der die Materie betont. Es beschreibt auch eine Lebensauffassung, bei der das Handeln durch hohe Ideale und Werte geleitet wird, oft mit dem Streben nach selbstlosen Zielen und positiven Veränderungen. Es gibt philosophische (geist-zentrierte) und alltägliche (werte-orientierte) Formen des Idealismus, die sich auf das Wesen der Welt oder das moralische Handeln beziehen.

Ideologie▾

Ideologie ist eine umfassende, oft interessengeleitete Weltanschauung, die eine systematische Sicht auf die Welt und Gesellschaft bietet, aber auch die Wirklichkeit verzerren kann, indem sie Machtverhältnisse verschleiert; ursprünglich „Lehre von den Ideen“, wurde der Begriff bei Marx kritisch für „falsches Bewusstsein“ verwendet, das die Realität verfälscht, um bestehende Herrschaft zu rechtfertigen. Sie bietet Orientierung durch Wertesysteme und Ziele, birgt aber die Gefahr der Verblendung und Dogmatisierung, im Gegensatz zur kritischen Philosophie.

Individualismus▾

Individualismus ist eine Denkrichtung, die das Individuum (den einzelnen Menschen) als zentralen Ausgangspunkt und Bezugspunkt für ethische, politische und soziale Betrachtungen sieht, betont dessen Autonomie, Selbstbestimmung und Eigenwert gegenüber dem Kollektiv (Gruppe, Staat, Gesellschaft). Er stellt die Freiheit und Eigenständigkeit des Einzelnen in den Mittelpunkt und sieht soziale Strukturen oft nur als Summe ihrer Individuen, wobei der Einzelne als Quelle für eigene Meinungen, Entscheidungen und Verantwortung gilt.

Konstruktivismus▾

Der Konstruktivismus in der Philosophie ist eine erkenntnistheoretische Strömung, die besagt, dass Menschen die Wirklichkeit nicht objektiv abbilden, sondern sie durch kognitive Prozesse aktiv konstruieren oder „erfinden“; Wissen ist demnach eine subjektive, individuelle Leistung, die durch Erfahrungen, Sozialisation und Wahrnehmung gefiltert wird, was zu unterschiedlichen, aber für das Individuum jeweils gültigen "Wirklichkeiten" führt. Wichtige Vertreter sind Paul Watzlawick, Ernst von Glasersfeld und Jean Piaget.

Logik▾

Mit Logik (altgriechisch λογικὴ τέχνη logikè téchnē ‚Kunst des Denkens‘, ‚Kunst des Argumentierens‘) wird im Allgemeinen das vernünftige Schlussfolgern und im Besonderen dessen Lehre – die Schlussfolgerungslehre oder auch Denklehre – bezeichnet. In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussagen. Bereits in diesem Sinne spricht man auch von „formaler“ Logik. Traditionell ist die Logik ein Teil der Philosophie.

Materialismus▾

Materialismus in der Philosophie ist die Lehre, dass Materie die einzige oder grundlegendste Substanz der Realität ist und alles, auch Geist und Bewusstsein, entweder aus Materie besteht oder ein Produkt materieller Prozesse ist, im Gegensatz zum Idealismus (Geist als primär) oder Dualismus (Geist und Materie als getrennt). Es besagt, dass die objektive Welt unabhängig vom Bewusstsein existiert und das Denken eine Funktion des Gehirns ist, wodurch es sich gegen übernatürliche Erklärungen und Spiritualismus wendet.

Metaphysik▾

Metaphysik ist ein zentrales Teilgebiet der theoretischen Philosophie, das sich mit den grundlegendsten Strukturen der Wirklichkeit befasst. Sie fragt nicht, wie sich Dinge verhalten, was Aufgabe der Einzelwissenschaften ist, sondern was sie im Kern sind und was es bedeutet, zu existieren. Sie untersucht das, was über das physisch Wahrnehmbare (die Natur/Physik) hinausgeht.

Moral▾

Moral ist ein System von Werten, Normen und Regeln, das bestimmt, was eine Gesellschaft oder Gruppe als gutes oder schlechtes Handeln ansieht, während die Ethik als philosophische Disziplin diese Moral reflektiert, hinterfragt und begründet, indem sie nach dem „Warum“ fragt, wie wir handeln sollten und welche Prinzipien unserem Verhalten zugrunde liegen. Moral liefert die konkreten Verhaltensrichtlinien (z.B. „Nicht töten“), Ethik ist die theoretische Auseinandersetzung damit (z.B. warum das Töten falsch ist).
Mehr zum Thema Moral ➔ HIER.

Nihilismus▾

Der Nihilismus (von lateinisch nihil = „nichts“) ist eine philosophische Position, die die Existenz objektiver Werte, eines höheren Sinns oder wahrer Erkenntnis verneint. Er besagt, dass Moral, Wahrheit und Daseinszweck menschliche Konstrukte sind. Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen dem als Verfall verstandenen passiven Nihilismus und dem bei Nietzsche als Chance zur Neuschöpfung gedachten aktiven Nihilismus.
Mehr zum Thema Nihilismus ➔ HIER

Ontologie▾

Ontologie ist der philosophische Zweig, der sich mit dem Sein, der Existenz und der Beschaffenheit der Realität beschäftigt. Sie fragt, was existiert, wie Dinge beschaffen sind und welche grundlegenden Kategorien von Entitäten es gibt, von konkreten Objekten bis zu abstrakten Konzepten wie Zeit und Zahl. Sie ist ein Teilbereich der Metaphysik und untersucht die grundlegenden Strukturen der Welt, unabhängig vom menschlichen Erleben, und beantwortet Fragen wie "Was ist Existenz?" oder "Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts?".

Paradigma▾

Ein Paradigma ist eine grundsätzliche Denkweise. Das Wort entstammt dem griechischen παράδειγμα parádeigma. Übersetzt bedeutet es „Beispiel, Vorbild, Muster“ oder „Abgrenzung, Erklärungsmodell, Vorurteil“; auch „Weltsicht“ oder „Weltanschauung“. In der modernen Wissenschaftsgeschichte bezeichnet der Begriff die Gesamtheit von Grundauffassungen, die in einer historischen Zeit eine wissenschaftliche Disziplin ausmachen. Beispiele für eine solche „grundlegende Weltsicht“ sind das geozentrische Weltbild oder das heliozentrische Weltbild.

Philosophie▾

Philosophie (griechisch: „Liebe zur Weisheit“) ist das kritische Nachdenken über grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Welt und der menschlichen Existenz, wobei Selbstverständlichkeiten hinterfragt und die eigene Orientierung gesucht wird, um die Welt besser zu verstehen und zu deuten. Sie ist eine Universalwissenschaft, die sich nicht auf ein Gebiet beschränkt, sondern die Grundlagen von Denken (Logik), Wissen (Erkenntnistheorie) und Handeln (Ethik) untersucht, oft durch das Stellen von Fragen, die keine einfachen, endgültigen Antworten haben, sondern durch Argumentation erschlossen werden.

Positivismus▾

Der Positivismus ist eine Richtung in der Philosophie, die fordert, dass Erkenntnisse, die den Charakter von Wissen beanspruchen, auf die Interpretation von „positiven“, d. h. von tatsächlichen, sinnlich wahrnehmbaren und überprüfbaren Befunden beschränkt werden. Diese Denkrichtung findet sich der Sache nach schon in der griechischen Antike. Als Neugründung des 19. Jahrhunderts stand sie im Gegensatz zu traditionell vorherrschenden scholastischen Sichtweisen einer Transzendentalphilosophie. Letztere behaupteten hingegen, Wissen werde durch ewig gültige – und letztlich von Gott geschaffene – Eigenschaften des Verstandes erzeugt, die Vernunft. Dies könne anhand positiver Befunde nachgewiesen werden.

Rationalismus▾

Rationalismus ist eine philosophische Lehre, die besagt, dass Vernunft (Ratio) und reines Denken die wichtigsten oder sogar einzigen Quellen für wahres Wissen sind, während Sinneserfahrungen als unzuverlässig gelten. Wahrheiten können durch logische Schlüsse und angeborene Ideen (wie mathematische Prinzipien) a priori (unabhängig von Erfahrung) erkannt werden, was im Gegensatz zum Empirismus steht, der Erfahrung betont.

Religionsphilosophie▾

Religionsphilosophie ist der Zweig der Philosophie, der Religion kritisch mit Vernunft untersucht, um Fragen nach ihrem Wesen, ihren Wahrheitsansprüchen, der Existenz Gottes, der Vernünftigkeit des Glaubens und der Rolle der Religion in der menschlichen Existenz zu klären, indem sie religiöse Lehren, Erfahrungen und Praktiken analysiert und hinterfragt. Sie befasst sich mit dem Verhältnis von Vernunft und Glauben und untersucht die Logik religiöser Aussagen sowie ihre gesellschaftliche und ethische Bedeutung.

Scholastik▾

… war die dominierende wissenschaftliche Methode, Denkweise und Beweisführung, die in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters (ca. 11.–15. Jh.) entwickelt wurde. Sie gilt als Philosophie des Mittelalters, die Glaube und Vernunft zu verbinden suchte, entwickelte sich an Klosterschulen und Universitäten und wurde maßgeblich geprägt durch Denker wie Thomas von Aquin und Albertus Magnus, die aristotelische Philosophie zur Begründung christlicher Dogmen nutzten. Die Scholastik war jedoch keineswegs auf theologische Themen und Ziele begrenzt, sondern umfasste die Gesamtheit des Wissensbetriebs.

Utilitarismus▾

Utilitarismus ist eine ethische Theorie, die eine Handlung danach bewertet, ob sie das größtmögliche Glück oder den größten Nutzen für die größtmögliche Anzahl von Betroffenen hervorbringt. Entscheidend sind dabei die Konsequenzen (folgenbasiert), nicht die Absicht, und es geht um die Maximierung von Freude und Minimierung von Leid für alle Beteiligten. Wichtige Vertreter sind Jeremy Bentham, John Stuart Mill und Peter Singer, die das Prinzip des "größten Glücks der größten Zahl" betonen.
Mehr zum Thema Utilitarismus ➔ HIER.