Erfolg = materieller Wohlstand, geistige Erfüllung und moralische Integrität?
Die meisten Menschen erreichen Zwischenerfolge im Leben und denken dann, sie hätten "es geschafft”. Aber meiner Meinung nach kann man es in seiner Lebenszeit nicht schaffen, man kann solange man lebt keinen wirklichen Erfolg erreichen, weil alles was man erreicht nur ein Zwischenergebnis ist, das man sich durch Fehlverhalten auch wieder kaputt machen kann. Ob man erfolgreich ist oder nicht, entscheidet sich erst nach seinem Tod. Denn ob man ein Gewinner oder ein Verlierer ist, hängt davon ab, wie die anderen nach deinem Tod über dich reden.
Philosophisch betrachtet ist Erfolg ein vielschichtiger Begriff, der weit über das Erreichen von Zielen hinausgeht. Er umfasst nicht nur materielle Errungenschaften, sondern auch persönliche und spirituelle Erfüllung, Weisheit und ein Leben in Einklang mit der Natur. Diese allumfassende Sichtweise entspricht genau meiner Vorstellung von "Erfolg", nicht nur beschränkt auf materielle, berufliche Ziele in einem Leben. Aristoteles fragte sich: wie soll der Mensch leben? Was braucht der Mensch, um ein gutes Leben zu führen? Aristoteles sah den "goldenen Mittelweg" als erstrebenswert. Glücklich und harmonisch sowie erfolgreich ist der Mensch nur durch Gleichgewicht und Mäßigung . Dass der Mensch im Leben nichts übertreiben darf, kommt auch in Aristoteles Gesellschaftssicht vor. Er bezeichnet den Menschen als "politisches Wesen", ohne die Gesellschaft um uns herum, sind wir keine "richtigen Menschen" ganz simpel ausgedrückt. Was ich bei Aristoteles herauslese, ist in erster Linie, dass er das Glück und ein gutes Leben als Erfolg sieht. Diese Sichtweise ist für mich das Essentielle im Leben.
Viele Menschen auf dem Sterbebett bereuen in ihrem Leben zu wenig Zeit mit der Familie verbracht zu haben oder sich dem Druck (Ehrgeiz, chronisches Besorgt Sein, Probleme sehen wo keine sind, Anforderungen des Berufs) gebeugt zu haben und nicht "Ihr" Leben gelebt zu haben. Wer sich von einem materiellen und beruflichen Erfolg, immer im Hinterkopf noch höhere Karrierestufen zu erklimmen, hetzen lässt, keine Zeit für anderes mehr hat, und am Ende, am Ziel, ausgebrannt zurück bleibt, kann die Zeit nicht zurückdrehen, wenn er sich mit seinem Leben auseinandersetzt und sieht, wie er seine Vergangenheit verbracht hat. Spirituell : "mit sich im Reinen sein", d.h. im Einklang mit sich zu sein. Etwas bewirken – ich meine nichts Materielles – sich erfüllt fühlen. Ich denke, dass jeder Mensch eine Aufgabe zu erfüllen hat. Ich habe meinen Lebenssinn gefunden, habe jedoch nicht aktiv danach gesucht. Es ist eine Bereicherung, aber kein Schlusskapitel.
Der Unterschied zwischen dem Schaffen und dem Geschafften ist fundamental. Die Feststellung, jemand habe etwas geschafft, ist perspektivisch, oft im Kontext beruflichen Erfolgs, zu betrachten. Erfolg selbst ist jedoch variabel definierbar. Während für einige eine Führungsposition den Erfolg repräsentiert, sehen andere den täglichen Überlebenskampf als solchen. Erfolgsmessung anhand fremder Handlungen oder gesellschaftlicher Normen ist unangebracht; vielmehr bedarf es einer individuellen Bewertung, da Lebensumstände und Ziele personenspezifisch sind. Ein universelles Lebensziel würde zur Homogenisierung der Individuen führen. Die Diversität der individuellen Lebensziele impliziert folglich auch eine Diversität des Erfolgsbegriffs.
Das sind meines Erachtens interessante Gedanken. Gerade weil sie das subjektive Empfinden unberücksichtigt lassen. Eine Aussicht auf Anerkennung nach dem Tod, auch wenn sie noch so unwahrscheinlich ist. Aus religiöser Sicht (Christentum) durchaus vorbildlich, aufopferungswillig, treu und demütig. Aber wenn man das religiöse Grundrauschen außer Acht lässt: Wozu? Wozu sich unerreichbare Ziele setzen und sein Leben in Unrast und Verzweiflung verbringen? Natürlich liegt der Unterschied zwischen Mut und Dummheit nicht selten im Ergebnis. Das nennt sich Leben. Und wer sein Leben ganz dem unterordnet, was andere darüber zu denken meinen, ist meines Erachtens ein wirklich bedauernswerter Mensch. Allerdings wohl nicht alleine. Warum abhängig machen von dem, was Andere sagen? Noch dazu nach dem Tod? Vielleicht sind jene "Anderen" sogar noch solche, die weitaus weniger als ich erreicht haben. Wer legt denn fest, wer oder was Erfolg ist?
Man kann immer besser oder schlechter sein. Was soll der endgültige Erfolg so gemessen überhaupt sein? Sich so zu lieben und anzunehmen, wie man jetzt ist, ohne Widerstand gegenüber dem Leben, dass einem jetzt begegnet, ohne wenn und aber, ist für mich endgültiger Erfolg. Am Ende ist es völlig egal, wie erfolgreich oder erfolglos man war. Beim Sterben kann es vielleicht wichtig sein, es kommt darauf an, welche persönlichen Werte bestehen und diese erfüllt sind.
Zusammenfassung:
Erfolg in der Philosophie wird oft im Zusammenhang mit dem Streben nach einem guten Leben betrachtet, das nicht nur materiellen Wohlstand, sondern auch geistige Erfüllung und moralische Integrität umfasst. Philosophen wie Aristoteles betrachteten Erfolg als das Erreichen von Eudaimonia, einem Zustand des vollkommenen menschlichen Glücks und Wohlbefindens, das durch die Entfaltung der persönlichen Fähigkeiten und Tugenden erreicht wird. Platon betonte die Bedeutung von Wissen und Weisheit als Grundlage für persönlichen Erfolg und das Erreichen des Guten. Die Stoiker, wie zum Beispiel Epiktet und Seneca, betrachteten Erfolg als eine innere Einstellung und die Fähigkeit, mit den äußeren Umständen in Einklang zu leben, unabhängig von den Herausforderungen des Lebens. Moderne Philosophen wie Immanuel Kant und John Stuart Mill haben Erfolg oft im Kontext von Freiheit, moralischer Autonomie und dem Streben nach persönlichem Wachstum interpretiert. Insgesamt reflektiert die philosophische Betrachtung von Erfolg ein tiefes Verständnis dafür, was es bedeutet, ein erfülltes und bedeutungsvolles Leben zu führen, das über rein äußere Leistungen hinausgeht.